Der Sonderweg: physisches Gold nach einem Jahr
Aktien, Fonds und ETFs unterliegen der Abgeltungsteuer – unabhängig davon, wie lange du sie hältst. Physische Edelmetalle sind anders eingeordnet: Sie gelten als anderes Wirtschaftsgut im Sinne von § 23 EStG. Ein Verkauf innerhalb eines Jahres nach dem Kauf ist ein privates Veräußerungsgeschäft und mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern; nach Ablauf eines Jahres ist der Gewinn steuerfrei.
Das ist kein kleiner Unterschied. Bei einem hohen persönlichen Steuersatz kann die Haltedauer über einen erheblichen Teil des Ergebnisses entscheiden – ein Effekt, den es bei Aktien in dieser Form nicht gibt.
Umsatzsteuer: warum Silber teurer startet
| Ware | Behandlung | Folge |
|---|---|---|
| Anlagegold | umsatzsteuerbefreit | Kaufpreis ≈ Metallpreis plus Händleraufschlag |
| Silberbarren | voller Steuersatz | spürbarer Aufschlag, der erst verdient werden muss |
| Silbermünzen | oft Differenzbesteuerung | geringerer, aber im Preis unsichtbarer Aufschlag |
Bei der Differenzbesteuerung wird nur die Handelsspanne des Händlers besteuert, nicht der volle Warenwert. Der Nachteil: Der Steueranteil ist im Preis nicht ausgewiesen, was den Vergleich zwischen Händlern erschwert. Beim Wiederverkauf an einen anderen Händler kann das zu Abschlägen führen.
Rollmechanik im Detail
Der Terminpreis eines lagerfähigen Rohstoffs lässt sich näherungsweise aus dem heutigen Preis, dem Zins und den Lagerkosten herleiten. Wer Öl in drei Monaten liefern will, muss es lagern, versichern und das gebundene Kapital verzinsen.
Terminpreis ≈ Kassapreis × (1 + Zins + Lagerkosten − Verfügbarkeitsprämie)
Die Verfügbarkeitsprämie ist der Vorteil, den Verbraucher daraus ziehen, die Ware sofort zu haben. Ist sie sehr hoch – etwa bei akutem Mangel –, kann der Terminpreis unter den Kassapreis fallen: Backwardation.
Für Anlageprodukte hat das eine unangenehme Folge: In dauerhaftem Contango frisst das Rollen einen Teil der Rendite auf, Jahr für Jahr. Bei Erdgas erreichte dieser Effekt in manchen Perioden eine Größenordnung, gegen die jede Kostenquote vernachlässigbar wirkt. Wer Rohstoffprodukte jenseits von Edelmetallen erwägt, muss diese Größe kennen – sie steht nicht im Kostenblatt.
Was Rohstoffe im Portfolio tatsächlich leisten
Die übliche Begründung lautet: geringe Korrelation zu Aktien, also Diversifikation. Das ist im Grundsatz richtig und im Detail unzuverlässig. Korrelationen sind nicht stabil – ausgerechnet in schweren Marktkrisen steigen sie oft, weil breite Verkäufe alles gleichzeitig treffen.
- 2008: Gold fiel zunächst mit den Aktien, weil Anleger Liquidität brauchten. Erst danach setzte die Erholung ein.
- 2020: Der Einbruch im März erfasste ebenfalls beide. Die Erholung des Goldes kam schneller.
- 2022: Bei hoher Inflation und steigenden Zinsen trat Gold weitgehend auf der Stelle – der oft erwartete Inflationsschutz zeigte sich nicht, weil die Realzinsen stiegen.
Minenaktien sind kein Ersatz
Goldminen wirken wie ein gehebelter Zugang zum Metall: Steigt der Goldpreis über die Förderkosten, wächst der Gewinn überproportional. In der Praxis kommt jedoch alles hinzu, was Unternehmen mitbringen – Verschuldung, Führungsentscheidungen, politische Risiken der Förderländer, Streiks, Umweltauflagen.
Über lange Zeiträume sind Minenaktien deshalb keine saubere Abbildung des Metallpreises. Sie sind Aktien mit einem Rohstoffbezug – und gehören in die Aktienquote, nicht in die Rohstoffquote.
Verwahrung: die unterschätzte Entscheidung
| Form | Vorteil | Kehrseite |
|---|---|---|
| Zu Hause | sofort verfügbar, keine Gebühr | Diebstahl, Versicherungsgrenzen |
| Bankschließfach | gesichert | Jahresgebühr, Zugang nur zu Öffnungszeiten |
| Zollfreilager | professionell, versichert | Kosten, Vertrauen in den Betreiber |
| ETC | kein Aufwand, börsentäglich handelbar | Emittentenrisiko trotz Hinterlegung |
Hausratversicherungen decken Bargeld und Wertsachen oft nur bis zu einem niedrigen Betrag ab, im Schließfach mitunter etwas höher. Wer nennenswerte Beträge physisch hält, sollte die Police lesen, bevor er den Kauf tätigt – nicht danach.
- Physisches Gold
- nach 1 Jahr steuerfrei (§ 23 EStG)
- ETC ohne Lieferanspruch
- Abgeltungsteuer
- Anlagegold
- umsatzsteuerbefreit
- Silber
- umsatzsteuerpflichtig
- Minenaktien
- gehören in die Aktienquote
- Korrelation
- niedrig, aber nicht stabil
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