Rohstoffe sind Güter, die aus der Natur gewonnen und weitgehend austauschbar sind. Ein Barren Gold aus Südafrika unterscheidet sich in nichts von einem aus Kanada, solange Reinheit und Gewicht stimmen. Genau diese Austauschbarkeit macht sie handelbar: Wer Rohstoffe kauft, kauft eine Menge und eine Qualität, keine Marke.
Die vier Gruppen
| Gruppe | Beispiele | Was den Preis bewegt |
|---|---|---|
| Edelmetalle | Gold, Silber, Platin | Anlagenachfrage, Realzinsen, Notenbankkäufe |
| Industriemetalle | Kupfer, Aluminium, Nickel | Konjunktur, Bautätigkeit, Elektrifizierung |
| Energie | Rohöl, Erdgas | Förderentscheidungen, Konflikte, Wetter, Lagerbestände |
| Agrar | Weizen, Kaffee, Zucker | Ernten, Wetter, Transportwege, Handelspolitik |
Für private Anlage spielen fast nur die Edelmetalle eine Rolle, allen voran Gold und Silber. Die übrigen Gruppen sind zwar handelbar, aber über Umwege, die eigene Tücken mitbringen – dazu mehr in der nächsten Stufe.
Der entscheidende Unterschied: kein laufender Ertrag
Wer eine Aktie hält, ist am Gewinn eines Unternehmens beteiligt. Wer eine Anleihe hält, bekommt Zinsen. Wer eine Wohnung vermietet, bekommt Miete. In allen drei Fällen entsteht Ertrag, ohne dass jemand das Papier oder die Immobilie kaufen muss.
Bei Rohstoffen ist das anders. Ein Goldbarren im Tresor wird nicht mehr. Der einzige Weg zu einem Gewinn ist, dass später jemand mehr dafür zahlt als du. Das ist kein Makel, sondern eine Eigenschaft – aber sie ändert, wie man über eine solche Anlage nachdenkt.
Die Feinunze – und warum der Euro-Preis zwei Ursachen hat
Edelmetalle werden international in Feinunzen gehandelt. Eine Feinunze sind 31,1035 Gramm – nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Unze für Lebensmittel, die leichter ist. Notiert wird fast immer in US-Dollar.
Preis in Euro = Preis in USD je Unze ÷ Wechselkurs EUR/USD
Steht Gold bei 2.400 USD und EUR/USD bei 1,10, kostet die Unze rund 2.182 Euro. Fällt der Euro auf 1,00, kostet dieselbe Unze 2.400 Euro – ohne dass sich der Goldpreis bewegt hätte.
Daraus folgt etwas, das viele überrascht: Als Anleger im Euroraum trägst du bei Gold zwei Risiken gleichzeitig. Das des Metallpreises und das des Wechselkurses. In manchen Jahren gleichen sie sich aus, in anderen verstärken sie sich.
Gold und Silber sind nicht dasselbe
| Gold | Silber | |
|---|---|---|
| Industrienachfrage | gering, etwa ein Zehntel | rund die Hälfte |
| Marktgröße | sehr groß | deutlich kleiner |
| Schwankung | moderat | deutlich höher |
| Notenbanken | kaufen und halten es | spielt kaum eine Rolle |
| Umsatzsteuer beim Kauf | befreit (Anlagegold) | fällt an |
Silber wird oft als „kleiner Bruder“ des Goldes bezeichnet. Das trifft die Richtung, aber nicht den Charakter: Weil die halbe Nachfrage aus der Industrie kommt – Photovoltaik, Elektronik, Löttechnik –, hängt Silber zusätzlich an der Konjunktur. Es reagiert damit auf mehr Einflüsse, und die kleinere Marktgröße verstärkt jede Bewegung.
Drei verbreitete Missverständnisse
- „Gold schützt vor Inflation.“ Über sehr lange Zeiträume hat Gold die Kaufkraft ungefähr erhalten. Über zehn oder zwanzig Jahre kann es aber deutlich hinter der Inflation zurückbleiben – wer 1980 auf dem Höchststand kaufte, brauchte fast drei Jahrzehnte, um nominal wieder dort zu sein.
- „Gold steigt, wenn Aktien fallen.“ Manchmal ja, oft nicht. In der Finanzkrise 2008 fiel Gold zunächst mit, weil Anleger verkauften, was sich verkaufen ließ. Verlässlich gegenläufig ist es nicht.
- „Physisch ist immer sicherer.“ Physisches Gold hat kein Ausfallrisiko eines Emittenten – aber ein Diebstahlrisiko, Lagerkosten und einen spürbaren Abstand zwischen An- und Verkaufspreis. Sicherer ist es nur in einer bestimmten Hinsicht.
Wie viel gehört ins Depot?
Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort, und wer eine nennt, verkauft meist etwas. Was sich sagen lässt: Rohstoffe sind eine Beimischung, kein Fundament. Ein Anteil im niedrigen einstelligen bis knapp zweistelligen Prozentbereich ist die verbreitete Größenordnung – nicht, weil sie bewiesen wäre, sondern weil darüber hinaus der fehlende laufende Ertrag zunehmend ins Gewicht fällt.
- Ertragsart
- ausschließlich Preisänderung
- Laufender Ertrag
- keiner
- Handelseinheit
- Feinunze = 31,1035 g
- Notierung
- meist US-Dollar
- Zusätzliches Risiko
- Wechselkurs
- Rolle im Depot
- Beimischung
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