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Rohstoffe · Stufe 1 von 3

Rohstoffe – die Grundlagen

Warum ein Goldbarren etwas grundsätzlich anderes ist als eine Aktie, und was daraus folgt.

Beginner12 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Rohstoffe sind Güter, die aus der Natur gewonnen und weitgehend austauschbar sind. Ein Barren Gold aus Südafrika unterscheidet sich in nichts von einem aus Kanada, solange Reinheit und Gewicht stimmen. Genau diese Austauschbarkeit macht sie handelbar: Wer Rohstoffe kauft, kauft eine Menge und eine Qualität, keine Marke.

Die vier Gruppen

Übliche Einteilung des Rohstoffmarkts
GruppeBeispieleWas den Preis bewegt
EdelmetalleGold, Silber, PlatinAnlagenachfrage, Realzinsen, Notenbankkäufe
IndustriemetalleKupfer, Aluminium, NickelKonjunktur, Bautätigkeit, Elektrifizierung
EnergieRohöl, ErdgasFörderentscheidungen, Konflikte, Wetter, Lagerbestände
AgrarWeizen, Kaffee, ZuckerErnten, Wetter, Transportwege, Handelspolitik

Für private Anlage spielen fast nur die Edelmetalle eine Rolle, allen voran Gold und Silber. Die übrigen Gruppen sind zwar handelbar, aber über Umwege, die eigene Tücken mitbringen – dazu mehr in der nächsten Stufe.

Der entscheidende Unterschied: kein laufender Ertrag

Wer eine Aktie hält, ist am Gewinn eines Unternehmens beteiligt. Wer eine Anleihe hält, bekommt Zinsen. Wer eine Wohnung vermietet, bekommt Miete. In allen drei Fällen entsteht Ertrag, ohne dass jemand das Papier oder die Immobilie kaufen muss.

Bei Rohstoffen ist das anders. Ein Goldbarren im Tresor wird nicht mehr. Der einzige Weg zu einem Gewinn ist, dass später jemand mehr dafür zahlt als du. Das ist kein Makel, sondern eine Eigenschaft – aber sie ändert, wie man über eine solche Anlage nachdenkt.

Der Unterschied ist kein Detail, sondern der Grund, warum sich ein Rohstoff nicht wie eine Aktie bewerten lässt.

Die Feinunze – und warum der Euro-Preis zwei Ursachen hat

Edelmetalle werden international in Feinunzen gehandelt. Eine Feinunze sind 31,1035 Gramm – nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Unze für Lebensmittel, die leichter ist. Notiert wird fast immer in US-Dollar.

Preis in Euro = Preis in USD je Unze ÷ Wechselkurs EUR/USD

Steht Gold bei 2.400 USD und EUR/USD bei 1,10, kostet die Unze rund 2.182 Euro. Fällt der Euro auf 1,00, kostet dieselbe Unze 2.400 Euro – ohne dass sich der Goldpreis bewegt hätte.

Daraus folgt etwas, das viele überrascht: Als Anleger im Euroraum trägst du bei Gold zwei Risiken gleichzeitig. Das des Metallpreises und das des Wechselkurses. In manchen Jahren gleichen sie sich aus, in anderen verstärken sie sich.

Gold und Silber sind nicht dasselbe

Zwei Metalle, zwei Charaktere
GoldSilber
Industrienachfragegering, etwa ein Zehntelrund die Hälfte
Marktgrößesehr großdeutlich kleiner
Schwankungmoderatdeutlich höher
Notenbankenkaufen und halten esspielt kaum eine Rolle
Umsatzsteuer beim Kaufbefreit (Anlagegold)fällt an

Silber wird oft als „kleiner Bruder“ des Goldes bezeichnet. Das trifft die Richtung, aber nicht den Charakter: Weil die halbe Nachfrage aus der Industrie kommt – Photovoltaik, Elektronik, Löttechnik –, hängt Silber zusätzlich an der Konjunktur. Es reagiert damit auf mehr Einflüsse, und die kleinere Marktgröße verstärkt jede Bewegung.

Drei verbreitete Missverständnisse

  • „Gold schützt vor Inflation.“ Über sehr lange Zeiträume hat Gold die Kaufkraft ungefähr erhalten. Über zehn oder zwanzig Jahre kann es aber deutlich hinter der Inflation zurückbleiben – wer 1980 auf dem Höchststand kaufte, brauchte fast drei Jahrzehnte, um nominal wieder dort zu sein.
  • „Gold steigt, wenn Aktien fallen.“ Manchmal ja, oft nicht. In der Finanzkrise 2008 fiel Gold zunächst mit, weil Anleger verkauften, was sich verkaufen ließ. Verlässlich gegenläufig ist es nicht.
  • „Physisch ist immer sicherer.“ Physisches Gold hat kein Ausfallrisiko eines Emittenten – aber ein Diebstahlrisiko, Lagerkosten und einen spürbaren Abstand zwischen An- und Verkaufspreis. Sicherer ist es nur in einer bestimmten Hinsicht.

Wie viel gehört ins Depot?

Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort, und wer eine nennt, verkauft meist etwas. Was sich sagen lässt: Rohstoffe sind eine Beimischung, kein Fundament. Ein Anteil im niedrigen einstelligen bis knapp zweistelligen Prozentbereich ist die verbreitete Größenordnung – nicht, weil sie bewiesen wäre, sondern weil darüber hinaus der fehlende laufende Ertrag zunehmend ins Gewicht fällt.

Die vier Wege, Gold zu halten

Sie unterscheiden sich in Kosten, Verwahrung und Steuer – und die Unterschiede sind größer als die zwischen zwei Aktienfonds.

Was jeweils dafür und dagegen spricht
WegVorteilPreis dafür
Barren und Münzen zu HauseNiemandes Verbindlichkeit, jederzeit greifbarDiebstahlrisiko, Versicherungsfrage, deutlicher Abstand zwischen An- und Verkaufspreis
Schließfach oder HändlerlagerSicherer verwahrt, größere Mengen möglichLaufende Gebühr, und man ist auf den Verwahrer angewiesen
Wertpapier mit AuslieferungsanspruchHandelbar wie eine Aktie, Gewinn nach einem Jahr Haltedauer steuerfreiRechtlich eine Schuldverschreibung – der Emittent zählt, auch wenn Gold hinterlegt ist
Fonds oder ETC auf den PreisKleine Beträge, sparplanfähig, keine VerwahrfrageLaufende Kosten, kein Metall in der Hand, steuerlich wie ein Wertpapier

Warum Rohstoff-Fonds nicht den Preis abbilden

Bei Öl, Kupfer oder Weizen gibt es einen Weg, der bei Gold nicht nötig ist: Diese Rohstoffe lassen sich nicht lagern wie Metall – ein Fonds kauft deshalb Terminkontrakte statt der Ware. Und ein Terminkontrakt läuft aus. Kurz vor dem Ende wird er verkauft und der nächste gekauft. Dieses Weiterrollen kostet oder bringt Geld, je nachdem, ob der nächste Kontrakt teurer oder billiger ist als der auslaufende.

Deshalb kann ein Rohstofffonds über Jahre verlieren, obwohl der Rohstoffpreis am Ende gleich hoch steht wie am Anfang. Das ist kein Fehler des Fonds, sondern die Bauweise des Marktes – und der Grund, warum die Wertentwicklung solcher Produkte regelmäßig nicht zu dem passt, was in der Zeitung über den Ölpreis steht.

Ertragsart
ausschließlich Preisänderung
Laufender Ertrag
keiner
Handelseinheit
Feinunze = 31,1035 g
Notierung
meist US-Dollar
Zusätzliches Risiko
Wechselkurs
Rolle im Depot
Beimischung

Was du dir merken solltest

  • Rohstoffe zahlen keinen laufenden Ertrag – der gesamte Gewinn muss aus dem Preis kommen.
  • Der Euro-Preis hat zwei Ursachen: das Metall und den Wechselkurs.
  • Silber ist kein kleines Gold: halbe Industrienachfrage, kleinerer Markt, Umsatzsteuer beim Kauf.
  • Vier Wege, Gold zu halten – sie unterscheiden sich in Kosten, Verwahrung und Steuer erheblich.
  • Die Spanne zwischen An- und Verkauf ist bei physischem Gold der größte Kostenblock.
  • Fonds auf Öl oder Weizen bilden den Preis nicht ab, weil sie Terminkontrakte weiterrollen müssen.
  • Beimischung, kein Fundament.

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