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Rohstoffe · Stufe 2 von 3

Rohstoffe – Wege, Produkte und Kennzahlen

Vier Wege führen zum Rohstoff, und sie unterscheiden sich stärker, als es aussieht.

Fortgeschritten18 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Die vier Wege im Vergleich

Wege in Rohstoffe und ihre Eigenheiten
WegWas du hältstHauptnachteil
PhysischBarren oder MünzenLagerung, Versicherung, Handelsspanne
ETC mit HinterlegungSchuldverschreibung, mit Metall besichertEmittentenrisiko, wenn auch besichert
Futures-FondsAnteil an rollenden TerminkontraktenRollverluste, oft erheblich
MinenaktienAnteil an UnternehmenUnternehmensrisiko, folgt dem Metall nur grob

Warum es bei Rohstoffen keinen echten ETF gibt

Ein ETF ist rechtlich ein Fonds und muss streuen. Ein Produkt, das nur Gold abbildet, erfüllt diese Anforderung nicht – ein einzelner Rohstoff ist keine Streuung. Deshalb sind Gold- und Silberprodukte in Europa fast immer ETCs: Exchange Traded Commodities, und das sind Schuldverschreibungen.

Rollverluste: der teuerste Anfängerfehler

Öl, Weizen oder Kupfer lassen sich nicht sinnvoll einlagern. Produkte auf diese Rohstoffe halten deshalb Terminkontrakte – Verträge auf Lieferung zu einem künftigen Datum. Läuft ein Kontrakt aus, wird er verkauft und ein späterer gekauft. Das nennt man rollen.

Ist der spätere Kontrakt teurer als der auslaufende, kostet jeder Rollvorgang Geld. Dieser Zustand heißt Contango und ist bei lagerfähigen Rohstoffen der Normalfall, weil Lagerung und Zinsen im Preis stecken. Der umgekehrte Fall – der spätere Kontrakt ist billiger – heißt Backwardation und bringt einen Rollgewinn.

Deshalb kann der Rohstoffpreis steigen und das Produkt darauf trotzdem verlieren.

Ergebnis ≈ Preisänderung des Rohstoffs + Rollertrag − Kosten

Der Rollertrag kann über Jahre stark negativ sein. Es ist deshalb möglich, dass der Rohstoffpreis steigt und das Produkt darauf trotzdem verliert – ein Ergebnis, das ohne Kenntnis der Mechanik unerklärlich wirkt.

Der Realzins – der wichtigste Treiber beim Gold

Gold zahlt nichts. Wer es hält, verzichtet auf den Zins, den er anderswo sicher bekäme. Dieser Verzicht ist der Preis des Haltens – und er richtet sich nicht nach dem nominalen Zins, sondern nach dem Realzins: dem Zins abzüglich der erwarteten Inflation.

Realzins ≈ Nominalzins − erwartete Inflation

Bei 4 % Zins und 2 % erwarteter Inflation beträgt der Realzins rund 2 % – Gold zu halten kostet dann spürbar. Bei 2 % Zins und 5 % Inflation ist der Realzins negativ; dann verliert auch das Tagesgeld an Kaufkraft und Gold büßt seinen Nachteil ein.

Diese Beziehung erklärt Goldbewegungen besser als jede Krisenerzählung. Sie ist keine Garantie und gilt nicht in jedem Quartal – aber wer nur eine einzige Größe beobachten will, sollte den Realzins nehmen und nicht die Nachrichtenlage.

Die Gold-Silber-Ratio

Ratio = Goldpreis je Unze ÷ Silberpreis je Unze

Bei 2.400 USD für Gold und 30 USD für Silber liegt die Ratio bei 80: Eine Unze Gold kostet so viel wie 80 Unzen Silber.

Historisch schwankt sie grob zwischen 40 und 100. Ein hoher Wert bedeutet, dass Silber gegenüber Gold billig ist. Als Handelssignal taugt das wenig – die Ratio kann jahrelang hoch bleiben. Als Einordnung ist sie nützlich: Sie zeigt, welches der beiden Metalle die Bewegung gerade trägt.

Worauf beim Produkt zu achten ist

  1. Physisch hinterlegt? Steht das Metall tatsächlich in einem Tresor oder wird der Preis über Kontrakte nachgebildet?
  2. Lieferanspruch? Manche ETCs erlauben, sich das Metall ausliefern zu lassen. Das ist nicht nur symbolisch – in Deutschland hat es steuerliche Folgen (siehe Profi-Stufe).
  3. Laufende Kosten. Bei Edelmetall-ETCs üblicherweise 0,1 bis 0,5 Prozent im Jahr. Sie werden aus dem hinterlegten Metall entnommen, der Anteil schrumpft also langsam.
  4. Währung. Ein in Euro gehandeltes Produkt ist deshalb noch nicht währungsgesichert. Ohne ausdrückliche Sicherung trägst du das Dollarrisiko.
  5. Handelsspanne. Beim physischen Kauf entscheidend: der Abstand zwischen An- und Verkaufspreis. Bei kleinen Stückelungen ist er prozentual am größten.

Warum Rohstoffe keinen Ertrag abwerfen – und was das bedeutet

Eine Aktie zahlt Dividenden, eine Anleihe Zinsen, eine Immobilie Miete. Ein Barren Gold liegt und tut nichts. Das ist kein Nachteil unter mehreren, sondern der entscheidende Unterschied: Bei Rohstoffen gibt es keinen Zinseszins, weil es keinen Zins gibt. Der gesamte Ertrag muss aus einem höheren Preis kommen, den ein späterer Käufer zu zahlen bereit ist.

Was der Preis eines Industriemetalls antreibt

Gold folgt dem Realzins; Kupfer, Aluminium und Eisenerz folgen etwas anderem. Sie werden verbraucht, nicht gehortet – und damit hängt ihr Preis an der Industrieproduktion, vor allem an der Bautätigkeit in großen Volkswirtschaften.

Zwei verschiedene Rohstoffwelten
EdelmetalleIndustriemetalle und Energie
Wichtigster TreiberRealzins, Währung, KrisennachfrageIndustrieproduktion und Bau, vor allem in China
Bestand über der Erdesehr groß – fast alles je geförderte Gold existiert nochgering – was verbraucht ist, ist weg
Reaktion des Angebotsträge, die Förderung ändert am Bestand kaum etwasebenfalls träge: Eine neue Mine braucht viele Jahre
Typischer Verlauflange Seitwärtsphasen, dann sprunghafte Bewegungenausgeprägte Zyklen: hoher Preis → Investition → Überangebot → Preisverfall

Die letzte Zeile ist der Kern des Rohstoffzyklus, und er erklärt sich selbst: Hohe Preise finanzieren neue Minen, die Jahre später zugleich in Betrieb gehen – regelmäßig dann, wenn die Nachfrage schon nachgelassen hat. Das Angebot kommt systematisch zu spät, und zwar in beide Richtungen.

Wie viel gehört ins Depot

  • Die übliche Größenordnung liegt im einstelligen Prozentbereich. Darunter wirkt der Beitrag zur Streuung nicht mehr messbar, darüber bestimmt eine ertraglose Position spürbar das Gesamtergebnis.
  • Die Begründung entscheidet über die Höhe. Wer Streuung will, braucht wenig. Wer sich gegen einen Extremfall absichern will, braucht mehr – und sollte wissen, dass er dafür laufend Rendite bezahlt.
  • Rebalancing ist hier wichtiger als anderswo, gerade weil die Position ertraglos ist: Ohne Zurücksetzen wächst sie in guten Rohstoffjahren still über das an, was beschlossen war.
  • Ein Rohstoffkorb ist etwas anderes als Gold. Der Korb enthält Terminkontrakte und damit Rollkosten; Gold als hinterlegtes Metall hat sie nicht. Beides in einen Topf zu werfen ist der häufigste Fehler bei der Höhe.

Was du dir merken solltest

  • Rohstoffe werfen keinen Ertrag ab – der ganze Gewinn muss aus einem höheren Preis kommen.
  • Ohne inneren Wert ist „zu teuer" immer ein Vergleich mit der Vergangenheit, keine Bewertung.
  • Edelmetalle folgen dem Realzins, Industriemetalle der Industrieproduktion.
  • Das Angebot kommt im Rohstoffzyklus systematisch zu spät – in beide Richtungen.
  • Ein Rohstoffkorb hat Rollkosten, hinterlegtes Gold nicht: zwei verschiedene Dinge.
Produktform in Europa
meist ETC, kein ETF
Rechtsnatur ETC
Schuldverschreibung
Rollverluste
nur bei Terminkontrakten
Wichtigster Treiber Gold
Realzins
Typische ETC-Kosten
0,1 – 0,5 % p. a.

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