Die meiste Zeit beim Einstieg geht für die Frage drauf, *was* man kaufen soll. Diese Frage ist die unwichtigste. Wer die vier Schritte davor auslässt, kann das beste Produkt der Welt kaufen und wird trotzdem zum falschen Zeitpunkt verkaufen müssen.
Schritt 1: Teure Schulden zuerst
Ein Dispokredit kostet zweistellig, ein Ratenkredit hoch einstellig. Beides ist mehr, als eine Aktienanlage im langjährigen Mittel erwarten lässt – und es ist sicher, während die Rendite eine Hoffnung ist. Schulden abzubauen ist deshalb keine Alternative zur Geldanlage, sondern die Anlage mit der höchsten garantierten Verzinsung, die es gibt.
Schritt 2: Der Notgroschen
Drei bis sechs Monatsausgaben, auf einem Tagesgeldkonto, sofort verfügbar. Nicht als Renditeposten – der bringt real nichts –, sondern als Versicherung gegen den einen Fehler, der wirklich teuer wird: verkaufen zu müssen, wenn die Kurse unten stehen.
Maßstab sind die Ausgaben, nicht das Einkommen. Wer selbstständig ist, ein schwankendes Einkommen hat oder allein für Kinder sorgt, rechnet eher am oberen Rand.
Schritt 3: Existenzielle Risiken versichern
Versichert wird, was einen ruinieren würde, nicht was ärgerlich wäre. Ein kaputtes Handy zahlt man aus dem Notgroschen; eine Berufsunfähigkeit, die das Einkommen für zwanzig Jahre beendet, nicht.
| Risiko | Einordnung |
|---|---|
| Schaden bei anderen (Privathaftpflicht) | Existenziell – unbegrenzte Summen möglich, Beitrag zweistellig im Jahr |
| Verlust der Arbeitskraft | Existenziell für alle, die vom eigenen Einkommen leben |
| Tod bei Unterhaltspflicht | Existenziell, solange andere von dem Einkommen abhängen |
| Handy, Brille, Reiserücktritt | Kein Fall für eine Versicherung – dafür ist der Notgroschen da |
Schritt 4: Ziele mit Zeitangabe
Jedes Ziel braucht zwei Angaben: einen Betrag und ein Datum. Erst daraus folgt die Anlageform – nicht umgekehrt.
- Auto in 3 Jahren, 15.000 Euro → Tagesgeld oder Festgeld. Der Aktienmarkt kann in drei Jahren deutlich im Minus stehen.
- Eigenkapital fürs Haus in 8 Jahren → gemischt, mit einem Teil, der schwanken darf.
- Altersvorsorge in 30 Jahren → hier ist Zeit genug, Rückschläge auszusitzen.
Die erste Stunde ganz praktisch
Wenn die vier Schritte stehen, ist der Rest weniger Arbeit, als er aussieht. Was tatsächlich zu tun ist, in der Reihenfolge, in der man es tut:
- Depot eröffnen. Online, mit Ausweis und einem kurzen Videoanruf zur Legitimation. Ein Depot ist kostenlos zu führen; wer eine Depotgebühr zahlen soll, ist beim falschen Anbieter.
- Verrechnungskonto verstehen. Zum Depot gehört ein Geldkonto. Dorthin überweist du, von dort wird gekauft, und dort landen später die Ausschüttungen. Das Depot selbst enthält nur Papiere, kein Geld.
- Freistellungsauftrag erteilen. Zwei Minuten in der App. Ohne ihn zieht der Broker ab dem ersten Euro Ertrag Steuer ab.
- Sparplan anlegen. Wertpapier suchen, Rate eintragen, Termin wählen, fertig. Die Rate lässt sich jederzeit ändern – nichts daran ist eine Entscheidung für zehn Jahre.
- App vom Startbildschirm nehmen. Der häufigste Anfängerfehler ist nicht die falsche Auswahl, sondern zu häufiges Nachsehen. Wer täglich schaut, sieht Schwankungen; wer jährlich schaut, sieht Entwicklung.
Woran du ein unseriöses Angebot erkennst
Einsteiger sind die bevorzugte Zielgruppe für Betrug, und die Muster sind seit Jahrzehnten dieselben. Es braucht kein Fachwissen, um sie zu erkennen – nur die Bereitschaft, bei diesen Sätzen misstrauisch zu werden:
Die eine Prüfung, die fast alles abdeckt: Ist der Anbieter bei der BaFin registriert? Das lässt sich in der Unternehmensdatenbank der Aufsicht in einer Minute nachsehen, und sie führt zusätzlich eine Warnliste unerlaubter Angebote. Ein Anbieter ohne Eintrag ist kein Grenzfall, sondern ein Ausschlusskriterium.
Was du dir merken solltest
- Teure Schulden schlagen jede erwartbare Rendite – und zwar sicher.
- Der Notgroschen ist die Versicherung gegen den Verkauf im falschen Moment.
- Versichert wird, was ruiniert, nicht was ärgert.
- Jedes Ziel braucht einen Betrag und ein Datum; daraus folgt die Anlageform.
- Ein Basisbaustein reicht. Der zweite bringt Verwaltungsaufwand, keine Verbesserung.
- Zeitdruck, Garantieversprechen und „vertrau mir einfach" sind keine Details, sondern das Erkennungszeichen.
- Kein BaFin-Eintrag, kein Geschäft – die Prüfung dauert eine Minute.
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