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IM Invests

Anlegerverhalten

Der Dispositionseffekt

Gewinner zu früh verkaufen, Verlierer zu lange halten – der am besten belegte Fehler in echten Depots.

8 Min. LesezeitBeobachtung

Anleger verkaufen Positionen im Gewinn deutlich häufiger als solche im Verlust. Das kostet Rendite und obendrein Steuer.

Dieser Effekt ist deshalb besonders gut belegt, weil er nicht im Labor gemessen wurde, sondern in Millionen echter Wertpapierabrechnungen. Untersuchungen an Depotdaten großer Broker finden ihn übereinstimmend: Die Wahrscheinlichkeit, eine Position zu verkaufen, ist im Gewinn deutlich höher als im Verlust.

Der Mechanismus folgt unmittelbar aus der vorigen Lektion: Ein Verkauf im Plus liefert das gute Gefühl eines realisierten Gewinns. Ein Verkauf im Minus macht den Verlust endgültig – und solange nicht verkauft wurde, fühlt er sich vorläufig an, obwohl er buchhalterisch längst eingetreten ist.

Warum es doppelt teuer ist

  • Renditeseite. Untersuchungen finden, dass die verkauften Gewinner anschließend im Mittel besser laufen als die behaltenen Verlierer. Die Auswahl ist also nicht nur zufällig, sondern verkehrt herum.
  • Steuerseite. In Deutschland fällt auf realisierte Gewinne Abgeltungsteuer an. Wer Gewinne früh realisiert und Verluste liegen lässt, zahlt früher Steuer und verzichtet auf die Verrechnung – der Zinseszinsvorteil des Aufschubs geht verloren.

Damit ist der Dispositionseffekt der einzige der hier behandelten Fehler, bei dem sich der Schaden für den einzelnen Anleger annähernd beziffern lässt: Er besteht aus der Renditedifferenz und der vorgezogenen Steuerzahlung.

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