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IM Invests

Einlagensicherung · Stufe 3 von 3

Abwicklung, Haftungskaskade und Belastbarkeit

Was heute an die Stelle der Bankeninsolvenz tritt, wer in welcher Reihenfolge haftet – und wie viel in den Fonds tatsächlich liegt.

Profi13 Min. LesezeitAusgearbeiteter Text4 Quizfragen
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Abwicklung statt Insolvenz

Nach 2008 wurde das Recht grundlegend umgebaut. Eine große Bank geht heute nicht mehr in ein normales Insolvenzverfahren – das dauerte Jahre und legte den Zahlungsverkehr still. Stattdessen greift eine Abwicklungsbehörde über ein Wochenende ein, mit Instrumenten, die es vorher nicht gab.

  • Brückeninstitut. Die überlebensfähigen Teile samt Kundeneinlagen werden auf eine neue Gesellschaft übertragen, die den Betrieb am Montag fortführt. Für Kunden ändert sich der Name, nicht der Kontostand.
  • Übertragung auf einen Erwerber. Der Regelfall bei kleineren Instituten: Eine andere Bank übernimmt Geschäft und Einlagen. Ein Entschädigungsfall tritt dann gar nicht ein.
  • Ausgliederung der schlechten Vermögenswerte in eine Abbaugesellschaft, die außerhalb des laufenden Betriebs abgewickelt wird.
  • Bail-in – die Beteiligung der Eigentümer und Gläubiger an den Verlusten, bevor öffentliche Mittel fließen.

Die Haftungskaskade

Wer in welcher Reihenfolge herangezogen wird
StufeWer haftetAnmerkung
1Eigenkapital der AktionäreWird zuerst und in voller Höhe aufgezehrt
2Hybride Instrumente (AT1) und NachranganleihenWandlung oder Abschreibung; kann bereits vor der Abwicklung greifen
3Nicht bevorrechtigte vorrangige AnleihenEigens für diesen Zweck geschaffene Klasse – sie soll den Puffer vor den Einlagen bilden
4Übrige vorrangige Verbindlichkeiten und Einlagen über der GrenzeHier beginnt es Unternehmen und vermögende Privatpersonen zu treffen
5Gedeckte EinlagenBis 100.000 € gesetzlich vom Bail-in ausgenommen – sie stehen ganz am Ende und werden praktisch nie erreicht

Wie das praktisch aussieht, zeigen zwei Fälle. In Zypern 2013 wurden Einlagen oberhalb der Grenze in erheblichem Umfang herangezogen – der erste große Fall, in dem Einleger tatsächlich verloren. Bei der Credit Suisse 2023 wurden AT1-Papiere vollständig abgeschrieben, während Aktionäre noch Anteile erhielten; die gewohnte Reihenfolge war damit umgekehrt. Beide Fälle zeigen dieselbe Lehre: Die Kaskade ist Recht, aber ihre Anwendung im Einzelfall folgt der politischen Lage.

Wer ganz unten steht, ist nicht ein bisschen sicherer – er ist durch alles darüber geschützt. Die Kästen zeigen die Reihenfolge, nicht die Beträge.

Wie belastbar sind die Fonds?

Die gesetzlichen Sicherungssysteme sind vorfinanziert: Die Banken zahlen laufend ein, bis ein festgelegter Anteil der gedeckten Einlagen erreicht ist. Dieser Anteil liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich – und das ist kein Versehen, sondern die Konstruktion.

  1. Für den Einzelfall reicht es. Fällt ein mittelgroßes Institut aus, ist der Fonds gut ausgestattet. Genau dafür ist er gebaut.
  2. Für eine Systemkrise nicht. Fallen mehrere große Institute gleichzeitig aus, übersteigt der Bedarf jeden vorfinanzierten Bestand. Dafür gibt es Nachschusspflichten der übrigen Banken und Kreditlinien – Mittel, die in einer Krise genau dann angefordert werden, wenn die übrigen Banken selbst unter Druck stehen.
  3. Am Ende steht der Staat. Ohne dass das irgendwo zugesagt wäre. Der gesamte Umbau nach 2008 zielte darauf, diese Notwendigkeit zu verringern – abgeschafft hat er sie nicht.

Was du dir merken solltest

  • Große Banken gehen heute in die Abwicklung, nicht in die Insolvenz – Einlagen werden dabei meist übertragen.
  • Gedeckte Einlagen stehen am Ende der Haftungskaskade und sind gesetzlich vom Bail-in ausgenommen.
  • MREL schützt Einleger wirksamer als der Sicherungsfonds, weil es den Entschädigungsfall verhindert.
  • Die Fonds sind für den Einzelfall gebaut, nicht für eine Systemkrise; Streuung über Institute bleibt die einzige eigene Maßnahme.

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